
Howard Philips Lovecraft (1890-1937) lebte während seines ganzen Lebens sehr bescheiden. Sein Einkommen war auch in späteren Jahren nie besonders hoch. Sein Vater, Winfield Lovecraft, war ein Handlungsreisender, der entmündigt werden mußte, als Howard drei Jahre alt war, und der fünf Jahre später im Butler Hospital in Providence an Paresis starb. Seine Mutter Sarah Susan Phillips war eine ziemlich lebensfremde und ängstliche Person.
In seiner Autobiographie, die Lovecraft 1933 schrieb, ist von dieser unglücklichen Jugend jedoch so gut wie nichts erwähnt. Auch seine Eltern erwähnt der Schriftsteller darin mit keinem Wort, was vielleicht auch einiges über seine Kindheit aussagt.
H.P. war ein schwächliches Kind, so dass er nur ein Jahr zur Schule gehen konnte.
Außerhalb seiner Familie hatte er kaum Kontakte zu anderen Menschen.

Die Märchen der Gebrüder Grimm gehörten zu seiner erster Lektüre im Alter von vier und mit fünf geriet er in den Bann von Tausendundeine Nacht.
Als er sechs war, kam der kleine Lovecraft durch verschiedene leichtverständlich gehaltene Jugendschriften mit der griechischen und römischen Mythologie in Berührung. Viele Stunden verbrachte er während seiner Kindheit und auch noch lange danach in der Bibliothek seines Großvaters Winfield V. Philips.
Im Alter von acht zeigte Lovecraft ein starkes Interesse an den Wissenschaften. Mit Zwölf gab er eine eigene Mini-Zeitschrift heraus, das Rhode Island Journal of Astronomy.
Mit 16 veröffentlichte H. P. in der Tribune von Providence monatliche Artikel über Astronomie.
Die High School konnte er einigermaßen regelmäßig besuchen. In dieser Zeit begann er auch mit dem Schreiben von unheimlichen Geschichten. Doch "der größte Teil davon", wie Howard in seiner Autobiographie schreibt, "waren Schund, und mit 18 vernichtete ich die meisten. Ein bis zwei erreichten vielleicht das Durchschnittsniveau von Groschenheften. Von allen habe ich mir nur Das Tier in der Höhle (1905) und Der Alchimist (1908) aufgehoben."
Im Alter von 18 erkrankte H. P. schwer. Bis heute steht nicht fest, was das für eine Krankheit war. Vermutlich handelte es sich um eine Art rheumatisches Fieber.
Sein Gesundheitszustand machte es ihm dadurch unmöglich ein College zu besuchen, "aber unsystematisches Lernen daheim und der Einfluß eines bemerkenswert gebildeten Onkels, eines Arztes, halfen mir, einige der ärgsten Folgen dieses Mangels auszugleichen. In den Jahren, die ich hätte auf den College verbringen sollen, wechselte ich zwischen Wissenschaft und Literatur hin und her und erwarb mir ein fundiertes Wissen in allem, was das achtzehnte Jahrhundert anging, dem ich mich seltsam zugehörig fühlte."

62 von seinen Erzählungen erschienen zu seinem Lebzeiten in professionellen Magazinen. Der große Erfolg stellte sich aber erst nach seinem Tod ein.
August Derleth und Donald Wandrei gründeten den Verlag Arkham House, den berühmten amerikanischen Spezialverlag für phantastische Literatur, der nicht nur nach und nach fast alle Werke Lovecrafts veröffentlichte, sondern auch vielen anderen Autoren eine Heimstatt bot.
Derleth (1909–1972), der seit 1925 mit Lovecraft korrespondierte, hat aber auch viele Themen und Einfälle Lovecrafts, Notizen und Fragmente von Erzählungen, die sich im Nachlaß H. P.‘s befanden, aufgegriffen und im Geiste ihres Urhebers weitergeführt.
So entstand die posthume Zusammenarbeit zwischen Lovecraft und Derleth.
Derleth setzte aber auch das Werk Lovecrafts fort, indem er selbst neue Werke schuf und dem Cthulhu–Mythos hinzufügte.

All das und noch mehr steht im H. P. Lovecraft - Eine Biographie. Autor de Camp hat dieses Buch vor über 30 Jahren geschrieben, daher ist natürlich die gesamte neuere Forschung in keinster Weise in dieser Biographie enthalten - und in den letzten 10-20 Jahren hat sich
um den Altmeister so einiges getan. Wer daher wissenschaftlich verläßlichere Daten benötigt, kommt um andere führende Lovecraft-Forscher nicht herum. Dennoch ist de Camps Buch ein guter Einstieg, der ein in großen Teilen haltbares Bild von der Person Lovecraft zeichnet. Jeder ernsthaft Lovecraft-Interessierte, der nicht eh schon seit langer Zeit das Original besitzt, kann hier getrost zugreifen.

Die Werke H. P. Lovecraft in deutscher Übersetzung (eine Auswahl)
1) Suhrkamp Verlag
* Cthulhu – Geistergeschichten (6 Horror–Stories)
* Berge des Wahnsinns (2 Horror–Stories)
* Das Ding an der Schwelle (6 Horror–Stories)
* Der Fall Charles Dexter Ward (2 Horror–Stories)
* Die Katzen von Ulthar (6 Horror–Stories)
* Stadt ohne Namen (14 Horror–Stories)
* In der Gruft (20 Horror–Stories)
* Azathoth (Stories, Fragmente, Prosagedichte, Essays des Autors sowie eine Auswahl aus Lovecrafts Notizbüchern)
* Franz Rottensteiner: Der Einsiedler aus Providence – Lovecrafts ungewöhnliches Leben
* H. P. Lovecraft / August Derleth: Die dunkle Bruderschaft (10 Horror-Stories)
2) Bastei Verlag
* H. P. Lovecraft/August Derleth: Das Grauen vor der Tür (The Lurker at the Threshold)

Werke von Autoren, die sich mit dem Cthulhu–Mythos beschäftigen
1) Suhrkamp Verlag
* August Derleth: Auf Cthulhus Spuren
2) Bastei Verlag
* Brian Lumley: Die Herrscher der Tiefe (The Transition of Titus Cow)
* Edward P. Berglund: Cthulhus Schüler (Anthologie) und Cthulhus Kinder (Anthologie)
3) Blitz Verlag
* H. P. Lovecraft – Die Bibliothek des Schreckens (bis Band 4)
4) Festa Verlag
* H. P. Lovecraft – Die Blibliothek des Schreckens (ab Band 5)

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